Das Mikrobiom im Fokus der vaginalen Gesundheit
27 Januar 2026
Warum Ernährung, Bakterien und Balance eine Schlüsselrolle für eine gesunde Vaginalflora spielen
Manchmal fühlt sich Intimgesundheit wie ein Rätsel an. Alles scheint richtig zu sein und trotzdem ist da dieses leise Gefühl, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ein veränderter Geruch, Trockenheit, wiederkehrendes Brennen oder einfach ein Unwohlsein, das sich nicht so leicht erklären lässt. Was viele nicht wissen: Die Vagina ist kein isolierter Bereich, sondern Teil eines sensiblen Zusammenspiels aus Hormonen, Bakterien, Ernährung und Lebensstil. Wenn dieses System im Einklang ist, schützt es sich selbst. Wenn es kippt, versucht der Körper, uns etwas mitzuteilen. Nicht als Fehler, sondern als Signal. Um dieses Zusammenspiel besser zu verstehen, haben wir mit der Gynäkologin Dr. Jule Schmücker gesprochen. In ihrer täglichen Arbeit begleitet sie Frauen und Vagina Owner rund um Vaginalgesundheit, Hormone, Darmgesundheit und Ernährung. Im Gespräch gibt sie Einblicke in die Zusammenhänge und zeigt, wie viel wir selbst sanft beeinflussen können.
Ein sensibles Gleichgewicht, das schĂĽtzt
Die vaginale Gesundheit ist eng mit dem gesamten Körpersystem verbunden. Hormone, Schleimhäute und eine ausgeglichene Darmgesundheit greifen ineinander. Entscheidend ist dabei das Gleichgewicht der vaginalen Mikroorganismen. Es bestimmt, wie gut die Vagina vor Infektionen geschützt ist. Schon kleine Veränderungen im Lebensstil, in der Ernährung oder hormonelle Schwankungen können dieses Gleichgewicht beeinflussen. Das sogenannte Mikrobiom beschreibt die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die auf und in unserem Körper leben. Dazu gehören Bakterien, Viren, Pilze und andere Einzeller. Sie kommen unter anderem im Darm, auf der Haut und in der Vagina vor. Diese Mikroorganismen sind keine Störfaktoren, sondern übernehmen zentrale Aufgaben: Sie unterstützen das Immunsystem, helfen bei der Verdauung und halten ein gesundes Gleichgewicht aufrecht. In der Vagina sorgen vor allem Laktobazillen für Schutz. Sie produzieren Milchsäure und erhalten so ein saures Milieu, das krankmachende Keime hemmt.
Vaginalflüssigkeit: Schutz durch Milchsäure
Vaginalsekret erfüllt mehrere wichtige Funktionen. Es spendet Feuchtigkeit, schützt vor Keimen und unterstützt die natürliche Flora. Dr. Schmücker erklärt:
„Das Sekret besteht aus Wasser, Elektrolyten, Proteinen, organischen Säuren und vor allem abgeschilferten Schleimhautzellen. Diese enthalten Glykogen (ein Zuckermolekül), das von Laktobazillen in Milchsäure umgewandelt wird.“
So entsteht das schützende saure Milieu der Vagina. Konsistenz, Geruch und Menge der Vaginalflüssigkeit können dabei ganz natürlich schwanken, abhängig vom Zyklus, von hormonellen Veränderungen, der Stillzeit oder der Menopause. Solche Veränderungen sind nicht automatisch ein Zeichen für eine Erkrankung.
Wenn die Balance kippt
Eine gesunde Vaginalflora lebt von Ausgeglichenheit. Wird dieses Gleichgewicht gestört, können Symptome wie Juckreiz, Brennen oder ein unangenehmer Geruch auftreten.
„Oft erkennt man schon an einem weniger sauren pH-Wert, dass das Gleichgewicht gestört ist, noch bevor starke Symptome auftreten.“
Der pH-Wert kann im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung oder mithilfe spezieller pH-Teststreifen zur Selbstanwendung überprüft werden. Bei leichten Ungleichgewichten können Milchsäurezäpfchen oder -cremes helfen, die Flora wieder zu stabilisieren.

Ernährung & Lebensstil: Unterstützung von innen
Darm- und Vaginalmikrobiom stehen in engem Austausch. Über die Ernährung können Frauen ihre Vaginalflora gezielt beeinflussen. Dr. Schmücker betont:
„Probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kimchi liefern direkte Unterstützung für die Laktobazillen. Präbiotische Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Knoblauch oder Haferflocken dienen ihnen als Nahrung. Phytoöstrogenhaltige Lebensmittel wie Soja, Tofu oder Edamame können insbesondere bei Östrogenmangel helfen. Omega-3-Fettsäuren wie in Fisch oder Nüssen wirken grundsätzlich entzündungshemmend.“
Negativ wirken hingegen Zucker, Alkohol und stark verarbeitete Lebensmittel.
„Hefepilze gedeihen bei erhöhtem Blutzuckerspiegel besser. Dies ist einer der Gründe für eine erhöhte Neigung zu Vaginalinfektionen bei Diabetikerinnen. Die Dehydrierung durch Alkohol trocknet die Schleimhäute aus und verändert das Mikrobiom.“
Auch Stress, hormonelle Schwankungen oder Antibiotika können die Vaginalflora empfindlich stören.
Häufige Ursachen für Beschwerden
„Die meisten vaginalen Infektionen entstehen nicht durch mangelnde Hygiene, sondern weil das Milieu aus dem Gleichgewicht gerät“, sagt Dr. Schmücker. Zu den häufigsten Auslösern zählen Stress, ein geschwächtes Immunsystem, hormonelle Veränderungen, etwa durch hormonelle Verhütung oder die Menopause, sowie Antibiotikabehandlungen. Auch mechanische Reizungen durch Geschlechtsverkehr oder Produkte mit Duftstoffen können die Vaginalflora beeinträchtigen. Wichtig zu wissen: Eine bakterielle Vaginose oder Pilzinfektion ist keine sexuell übertragbare Krankheit, der Partner muss daher nicht mitbehandelt werden.
Ein oft unterschätzter Faktor sind Produkte, die im Intimbereich verwendet werden:
„Insbesondere Produkte mit viel Duftstoffen, einige Arten von Gleitmitteln oder spermizide Kondome, die zusätzlich mit einer spermienabtötenden Substanz beschichtet sind, können die Laktobazillen schädigen. Man sollte bei der Auswahl der Intimprodukte, z.B. von Gleitmitteln, also auf eine auf den pH-Wert abgestimmte Zusammensetzung achten und Produkte mit vielen Duftstoffen eher meiden, vor allem wenn man anfällig für Vaginalinfektionen ist.“
Sanfte Pflege als UnterstĂĽtzung
Auch bei der Intimpflege gilt: weniger ist oft mehr.
Dr. Schmücker rät: „Einmal täglich reicht warmes Wasser, bei Bedarf pH-neutrale, parfümfreie Intimwaschlotionen.“
Bei wiederkehrenden Beschwerden kann die gezielte Zufuhr von Laktobazillen über entsprechende Präparate helfen. Pflegende Intimcremes, etwa nach der Rasur oder nach dem Geschlechtsverkehr, unterstützen die Schleimhaut im äußeren Intimbereich und können kleine Verletzungen verhindern, die Infektionen begünstigen. Gerade hier sehen wir bei pjur unsere Verantwortung: Intimprodukte so zu entwickeln, dass sie die natürliche Balance respektieren und nicht zusätzlich belasten.

Fazit: Balance beginnt mit Zuhören
Vaginale Gesundheit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhakt. Sie ist ein lebendiger Prozess, der sich mit dem Körper verändert. Hormone, Stress, Ernährung und Pflege wirken jeden Tag mit. Und genau deshalb verdient dieses Thema mehr Aufmerksamkeit, mehr Wissen und vor allem mehr Gelassenheit. Das Mikrobiom zeigt uns, wie klug der Körper ist. Wie viel er selbst reguliert, wenn wir ihn lassen. Oft braucht es keine radikalen Maßnahmen, sondern kleine, respektvolle Anpassungen. Weniger Reizung, mehr Unterstützung. Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen. Bei pjur glauben wir daran, dass Intimgesundheit dort beginnt, wo man den eigenen Körper ernst nimmt. Mit Produkten, die die natürliche Balance respektieren, und mit Wissen, das stärkt statt verunsichert. Denn wer versteht, was im Körper passiert, kann ihm mit Ruhe begegnen. Und genau daraus entsteht Balance.
FAQ: Häufige Fragen rund um Mikrobiom & Vaginalgesundheit
Was ist das vaginale Mikrobiom?
Das vaginale Mikrobiom beschreibt die Gesamtheit der Mikroorganismen, die in der Vagina leben. Vor allem Laktobazillen sind wichtig, da sie Milchsäure produzieren und so ein schützendes, saures Milieu aufrechterhalten. Dieses Gleichgewicht hilft, Infektionen vorzubeugen.
Woran merke ich, dass meine Vaginalflora aus dem Gleichgewicht ist?
Typische Anzeichen können Juckreiz, Brennen, ein veränderter Geruch oder ungewöhnlicher Ausfluss sein. Manchmal zeigt sich ein Ungleichgewicht auch ohne starke Symptome, zum Beispiel durch einen veränderten pH-Wert. Wenn du unsicher bist, hilft eine gynäkologische Untersuchung.
Kann Ernährung wirklich Einfluss auf die Vaginalgesundheit haben?
Ja. Darm- und Vaginalmikrobiom stehen in engem Zusammenhang. Probiotische Lebensmittel wie Joghurt oder Sauerkraut sowie präbiotische Nahrungsmittel wie Haferflocken, Zwiebeln oder Knoblauch können die Balance unterstützen. Stark verarbeitete Lebensmittel, viel Zucker oder Alkohol wirken dagegen eher belastend.
Ist eine Infektion immer ein Zeichen mangelnder Hygiene?
Nein. Die meisten vaginalen Infektionen entstehen nicht durch zu wenig, sondern durch zu viel oder falsche Pflege. Auch Stress, hormonelle Veränderungen oder Medikamente können das Mikrobiom stören. Weniger ist hier oft mehr.
Wie oft sollte ich den Intimbereich waschen?
Einmal täglich mit warmem Wasser reicht in der Regel aus. Bei Bedarf kannst du eine pH-neutrale, parfümfreie Intimwaschlotion verwenden. Zu häufiges Waschen kann die natürliche Schutzschicht beeinträchtigen.
Können Gleitmittel die Vaginalflora beeinflussen?
Ja. Produkte mit Duftstoffen, aggressiven Inhaltsstoffen oder spermiziden Zusätzen können die Laktobazillen schädigen. Wenn du empfindlich reagierst, achte auf pH-neutrale, sanfte Produkte, die die natürliche Balance respektieren.
Muss mein Partner bei einer Infektion mitbehandelt werden?
In den meisten Fällen nein. Bakterielle Vaginosen und Pilzinfektionen gelten nicht als sexuell übertragbare Krankheiten. Wenn Beschwerden häufig wiederkehren, solltest du das Thema jedoch ärztlich abklären lassen.
Was kann ich tun, um meine Vaginalflora langfristig zu unterstĂĽtzen?
Ein bewusster Umgang mit Ernährung, Stress, Pflege und Intimprodukten hilft, das Gleichgewicht zu stabilisieren. Kleine, regelmäßige Entscheidungen haben oft mehr Wirkung als kurzfristige Maßnahmen.
Wann sollte ich ärztlichen Rat suchen?
Wenn Beschwerden anhalten, stark sind oder regelmäßig wiederkehren, ist es wichtig, medizinischen Rat einzuholen. Dein Körper sendet Signale und es ist vollkommen richtig, sie ernst zu nehmen.
*Hinweis zur medizinischen Einordnung
Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und Orientierung. Sie ersetzen keine individuelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder medizinisches Fachpersonal. Jede Vagina ist einzigartig und reagiert unterschiedlich auf Veränderungen, Pflege oder Ernährung.
Wenn Beschwerden anhalten, sich verschlimmern oder wiederholt auftreten, empfehlen wir, ärztlichen Rat einzuholen. Die hier geteilten Informationen verstehen sich als niederschwellige Unterstützung, um Zusammenhänge besser zu verstehen und den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen, nicht als medizinische Anweisung.
Ăśber Dr. Jule SchmĂĽcker
Dr. med. Jule Schmücker ist Gynäkologin aus Düsseldorf. Nach ihrem Abschluss des Medizinstudiums 2020 von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf begann sie zunächst ihre Facharztausbildung in der Klinik. Parallel dazu arbeitete sie an ihrer Promotion, die sie Anfang 2024 abschließen konnte. 2025 wechselte sie dann in den ambulanten Bereich und betreut seitdem Patientinnen in einer Praxis in Düsseldorf Bilk.
