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Frau und Mann lächeln sich im Bett an.

Oralsex & Mundgesundheit: Was du wirklich wissen solltest

Zähneputzen, das Verwenden von Zahnseide und regelmäßige Zahnarztbesuche gehören für viele Menschen ganz selbstverständlich zur Gesundheitsroutine. Doch welche Rolle spielt unsere Mundgesundheit eigentlich beim Sex? Eine Frage, über die wir im Alltag eher selten nachdenken. Dabei sind Mundgesundheit und sexuelle Gesundheit enger miteinander verbunden, als viele vermuten.

Beim Oralsex kommen Lippen, Zunge und Mundschleimhaut mit dem Intimbereich in Kontakt. Dabei können auch sexuell übertragbare Infektionen, sogenannte STIs (Sexually Transmitted Infections), weitergegeben werden. Doch was bedeutet das konkret für unsere Mundgesundheit? Welche Infektionen können beim Oralsex vom Genitalbereich auf Mund und Rachen übertragen werden und umgekehrt? Welche Rolle spielen Zahnfleischbluten oder kleine Verletzungen? Und ist es eigentlich sinnvoll, sich unmittelbar vor Oralsex die Zähne zu putzen?

Gemeinsam mit Zahnarzt Maximilian Fiesel gehen wir diesen und weiteren Fragen auf den Grund. Wir beleuchten die Zusammenhänge zwischen Oralsex, Mundgesundheit und sexuell übertragbaren Infektionen, räumen mit verbreiteten Unsicherheiten auf und zeigen, wie ein bewusster Umgang mit der eigenen Mundgesundheit auch zu einem selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität beitragen kann.

Wie können Infektionen beim Oralsex übertragen werden

Sexuell übertragbare Infektionen betreffen nicht ausschließlich den Intimbereich. Beim Oralsex können bestimmte Krankheitserreger vom Genital- oder Analbereich auf Mund und Rachen übertragen werden. Doch auch der umgekehrte Weg ist möglich: Infektionen im Mund- und Rachenraum können beim Oralsex auf den Genitalbereich einer anderen Person übergehen. Wie eine Übertragung erfolgt, hängt vom jeweiligen Erreger ab. Während manche Infektionen durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt weitergegeben werden können, spielen bei anderen auch infektiöse Körperflüssigkeiten eine Rolle. Wichtig zu wissen: Eine Ejakulation ist für die Übertragung einer STI nicht erforderlich.

Zu den Infektionen, die beim Oralsex übertragen werden können, gehören unter anderem Gonorrhö, Chlamydien, Syphilis, Herpes, HPV und HIV. Sie unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer Übertragungswege als auch in Bezug auf mögliche Symptome, gesundheitliche Folgen und das jeweilige Übertragungsrisiko. Gerade bei HIV ist eine differenzierte Betrachtung wichtig, da das Risiko einer Übertragung beim Oralsex im Vergleich zu vaginalem oder analem Geschlechtsverkehr äußerst gering ist.

Gonorrhö (Tripper) kann neben dem Genitalbereich auch den Rachen betreffen. Besonders tückisch ist, dass eine Infektion dort häufig ohne erkennbare Beschwerden verläuft. Betroffene bemerken deshalb unter Umständen gar nicht, dass sie infiziert sind, und können die Erreger bei weiteren sexuellen Kontakten unwissentlich übertragen.*2

Chlamydien können ebenfalls beim Oralsex übertragen werden und den Rachen infizieren. Im Vergleich zu Infektionen im Genitalbereich kommen Chlamydieninfektionen im Rachen seltener vor und bleiben meist symptomlos. Welche Bedeutung diese Infektionen für die weitere Übertragung haben, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.*2

Syphilis wird vor allem durch direkten Kontakt mit infektiösen Haut- oder Schleimhautveränderungen übertragen. Eine Infektion kann sich beispielsweise durch ein zunächst meist schmerzloses Geschwür an den Lippen oder im Mund bemerkbar machen. Da dieses häufig keine Beschwerden verursacht und auch ohne Behandlung wieder abheilen kann, bleibt es möglicherweise unbemerkt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Infektion verschwunden ist. Unbehandelt kann Syphilis fortschreiten und schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Eine frühzeitige Diagnose und medizinische Behandlung sind deshalb besonders wichtig.

HIV kann grundsätzlich auch beim Oralsex übertragen werden. Das Übertragungsrisiko gilt jedoch als äußerst gering und liegt deutlich unter dem Risiko bei ungeschütztem vaginalem oder analem Geschlechtsverkehr. Speichel allein überträgt HIV nicht. Ein theoretisch erhöhtes Risiko kann bestehen, wenn HIV-haltige Körperflüssigkeiten mit offenen Wunden oder verletzter Schleimhaut in Kontakt kommen. Wie stark solche Faktoren das ohnehin äußerst geringe Übertragungsrisiko beim Oralsex tatsächlich beeinflussen, ist wissenschaftlich nicht zuverlässig bezifferbar. Wichtig zu wissen: Menschen mit HIV, die durch eine wirksame Therapie dauerhaft eine nicht nachweisbare Viruslast haben, übertragen das Virus sexuell nicht (U=U: Undetectable = Untransmittable).*1

Zahn, Lupe und stilisierte Mikroben

Welche Infektionen beim Oralsex leicht unterschätzt werden können

Nicht jede sexuell übertragbare Infektion macht sich durch erkennbare Symptome bemerkbar. Gerade beim Oralsex wird deshalb häufig unterschätzt, dass Infektionen auch dann vorhanden sein und weitergegeben werden können, wenn keinerlei Beschwerden auftreten.

Das betrifft beispielsweise Gonorrhö und Chlamydien im Rachen, aber auch Infektionen wie Herpes und HPV. Während manche Erreger über längere Zeit unbemerkt bleiben können, zeigen sich bei anderen nur vorübergehend Symptome. Entscheidend ist deshalb: Ein unauffälliges Erscheinungsbild bedeutet nicht automatisch, dass keine Infektion vorliegt oder eine Übertragung ausgeschlossen ist.

Warum sich das Risiko nicht pauschal vergleichen lässt

Oralsex wird häufig als grundsätzlich risikoärmer eingestuft als andere sexuelle Praktiken. Eine solche Einschätzung greift jedoch zu kurz, denn das Übertragungsrisiko unterscheidet sich je nach Erreger erheblich. Während das Risiko, sich beim Oralsex mit HIV anzustecken, äußerst gering ist, können andere sexuell übertragbare Infektionen wie Gonorrhö oder Herpes auch bei dieser Sexualpraktik übertragen werden. *1

Herpes kann beispielsweise bereits durch direkten Kontakt mit infizierter Haut oder Schleimhaut übertragen werden. Bei Syphilis erfolgt die Übertragung durch Kontakt mit infektiösen Veränderungen, während bei Gonorrhö auch eine unbemerkte Racheninfektion eine Rolle spielen kann. Wie hoch das individuelle Risiko ist, hängt deshalb nicht nur vom jeweiligen Erreger, sondern auch von der Art des sexuellen Kontakts ab.

„Entscheidend ist, die unterschiedlichen Übertragungswege sexuell übertragbarer Infektionen zu verstehen. Denn nicht jede Infektion wird auf die gleiche Weise übertragen und nicht jede sexuelle Praktik birgt dieselben Risiken. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann mögliche Risiken realistischer einschätzen und bewusst entscheiden, welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind“, erklärt Zahnarzt Maximilian Fiesel.

Bei oral-analem Kontakt, dem sogenannten Anilingus, kommen weitere Übertragungswege hinzu. Dabei können unter anderem Hepatitis A und bestimmte Darmerreger übertragen werden. Auch deshalb ist es wichtig, bei der Einschätzung möglicher Infektionsrisiken zu berücksichtigen, welche Körperbereiche miteinander in Kontakt kommen.

Herpes: Wenn Lippen und Intimbereich in Kontakt kommen

Lippenherpes und Genitalherpes werden häufig als zwei voneinander getrennte Infektionen wahrgenommen. Tatsächlich kann das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), das häufig Lippenherpes verursacht, beim Oralsex auch auf den Genitalbereich übertragen werden. Genitalherpes wird also nicht ausschließlich durch HSV-2 verursacht. Umgekehrt können Herpesviren auch vom Genitalbereich auf den Mund übertragen werden.

Sichtbare Herpesbläschen sind ein klares Zeichen dafür, vorübergehend auf Oralsex zu verzichten. Doch bereits Kribbeln, Brennen oder ein Spannungsgefühl können einen beginnenden Ausbruch ankündigen. Ab den ersten Anzeichen und bis zur vollständigen Abheilung sollte deshalb auf direkten Kontakt mit den betroffenen Stellen verzichtet werden.

Wichtig zu wissen: Herpes kann auch ohne sichtbare Bläschen übertragen werden. Das liegt daran, dass Herpesviren zeitweise auch ohne erkennbare Symptome über Haut oder Schleimhäute ausgeschieden werden können. Das bedeutet nicht, dass jeder Kontakt automatisch zu einer Ansteckung führt. Es erklärt jedoch, warum das Fehlen sichtbarer Symptome keinen vollständigen Schutz bietet. Bei wiederkehrenden Beschwerden oder Fragen zum individuellen Übertragungsrisiko kann eine ärztliche Beratung sinnvoll sein. *3

HPV: Auch der Mund und Rachen können betroffen sein

Humane Papillomviren, kurz HPV, können Haut und Schleimhäute infizieren. Bestimmte Typen betreffen neben dem Genitalbereich auch den Mund-Rachen-Raum. Eine Übertragung ist unter anderem beim Oralsex möglich. Viele Menschen bemerken eine HPV-Infektion nicht, da sie häufig ohne erkennbare Symptome verläuft. In den meisten Fällen wird die Infektion innerhalb von ein bis zwei Jahren vom Immunsystem kontrolliert und ist anschließend nicht mehr nachweisbar. *4

Nicht alle HPV-Typen haben dieselben Folgen. Einige können gutartige Warzen verursachen, andere gehören zu den sogenannten Hochrisikotypen. Bleibt eine Infektion mit bestimmten Hochrisikotypen über längere Zeit bestehen, kann sie zur Entstehung bestimmter Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Bereich beitragen. Betroffen sind insbesondere die Gaumenmandeln und der Zungengrund. *4

Wie relevant dieser Zusammenhang ist, rückte 2013 durch Hollywoodstar Michael Douglas stärker in die öffentliche Aufmerksamkeit. *6  Der Schauspieler, bei dem 2010 eine Krebserkrankung im Mund-Rachen-Bereich diagnostiziert worden war, sprach in einem Interview über den Zusammenhang zwischen HPV, Oralsex und bestimmten Krebserkrankungen. Seine Aussagen sorgten weltweit für Schlagzeilen und lenkten die Aufmerksamkeit auf ein gesundheitliches Thema, das bis dahin vergleichsweise wenig öffentliche Beachtung gefunden hatte. Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Während der Zusammenhang zwischen bestimmten HPV-Typen und Krebserkrankungen im Mund-Rachen-Bereich wissenschaftlich belegt ist, lässt sich der ursprüngliche Übertragungsweg einer individuellen HPV-Infektion in der Regel nicht eindeutig feststellen.

Eine HPV-Infektion ist jedoch keineswegs gleichbedeutend mit einer Krebserkrankung. Die überwiegende Mehrheit der Infektionen heilt folgenlos aus beziehungsweise ist nach einiger Zeit nicht mehr nachweisbar. Entscheidend für das Erkrankungsrisiko sind unter anderem der Virustyp und die Frage, ob eine Infektion über längere Zeit bestehen bleibt.

Die HPV-Impfung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Prävention. Sie schützt vor bestimmten HPV-Typen, darunter solche, die mit Krebserkrankungen in Verbindung stehen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Versäumte Impfungen sollen bis einschließlich 17 Jahre nachgeholt werden. Der größte Nutzen besteht, wenn die Impfung vor den ersten sexuellen Kontakten erfolgt. Auch Erwachsene können im Einzelfall von einer Impfung profitieren und den individuellen Nutzen ärztlich besprechen. Die Impfung behandelt keine bereits bestehende Infektion und schützt weder vor allen HPV-Typen noch vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen. *4

Veränderungen im Mund erkennen und richtig einordnen

Bläschen, offene Stellen, ungewöhnliche Veränderungen der Mundschleimhaut oder anhaltende Beschwerden können Anlass für eine medizinische Untersuchung sein. Bei Syphilis können beispielsweise schmerzlose Geschwüre auftreten, während sich Herpes häufig durch schmerzhafte Bläschen und wunde Stellen bemerkbar macht. Allein anhand des Erscheinungsbildes lässt sich die Ursache jedoch nicht zuverlässig bestimmen.

Nicht jede Veränderung im Mund ist automatisch ein Hinweis auf eine sexuell übertragbare Infektion. Aphthen sind beispielsweise häufige, in der Regel nicht ansteckende Schleimhautgeschwüre. Auch kleine Verletzungen, etwa durch einen versehentlichen Biss auf die Wange oder eine scharfe Zahnkante, können wunde Stellen verursachen. Selbst wenn eine Auffälligkeit nach dem Oralsex auftritt, muss deshalb nicht zwangsläufig ein Zusammenhang mit einer STI bestehen.

Umso wichtiger ist es, Veränderungen offen anzusprechen und mögliche Ursachen medizinisch abklären zu lassen. Zahnarzt Maximilian Fiesel betont: „Wenn eine Stelle im Mund auffällt, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Ein möglicher Zusammenhang mit Oralverkehr ist für uns eine medizinische Information, die bei der Abklärung helfen kann. Niemand muss sich gegenüber seinem Zahnarzt oder seiner Zahnärztin dafür rechtfertigen, solche Fragen zu stellen, geschweige denn schämen.“

Bei einer zahnärztlichen Untersuchung können Veränderungen an Zähnen, Zahnfleisch und der sichtbaren Mundschleimhaut erkannt und gegebenenfalls weitere Untersuchungen empfohlen werden. Eine zuverlässige STI-Diagnose erfordert jedoch je nach Verdacht gezielte Tests. Gleichzeitig gilt: Auch wenn bei einer zahnärztlichen Untersuchung keine Auffälligkeiten festgestellt werden, lässt sich eine Infektion nicht grundsätzlich ausschließen. Insbesondere Gonorrhö und Chlamydien können im Rachen ohne erkennbare Beschwerden verlaufen. *2

Ungewöhnliche, zunehmende oder wiederkehrende Veränderungen sollten deshalb medizinisch abgeklärt werden. Das gilt insbesondere für wunde Stellen, die innerhalb von zwei bis drei Wochen nicht abheilen. Bei einem konkreten STI-Verdacht oder wenn bei einer Sexualpartnerin beziehungsweise einem Sexualpartner eine Infektion festgestellt wurde, ist eine ärztliche Beratung auch ohne sichtbare Symptome sinnvoll.

Welche Rolle Zahnfleisch und Mundschleimhaut spielen

Gesundes Zahnfleisch und eine intakte Mundschleimhaut bilden eine natürliche Schutzbarriere gegenüber äußeren Einflüssen und Krankheitserregern. Entzündungen, Zahnfleischbluten oder offene Stellen können diese Barriere beeinträchtigen und bei bestimmten Infektionen zusätzliche Eintrittsmöglichkeiten schaffen. Wie stark beispielsweise Zahnfleischbluten das Risiko einer STI-Übertragung beim Oralsex tatsächlich erhöht, lässt sich wissenschaftlich jedoch nicht zuverlässig beziffern. Wichtig ist außerdem: Auch über eine intakte Mundschleimhaut können bestimmte STIs übertragen werden.*1

Bei aktivem Zahnfleischbluten, offenen Verletzungen, schmerzhaften Aphthen oder akuten Entzündungen ist es deshalb sinnvoll, vorübergehend auf Oralsex zu verzichten, bis die betroffenen Stellen abgeheilt sind. Das gilt auch nach zahnärztlichen Eingriffen, solange noch Wunden bestehen oder die Zahnarztpraxis zur Schonung rät. Wer regelmäßig Zahnfleischbluten bemerkt, sollte die Ursache zahnärztlich abklären lassen. Auch auffällige Veränderungen im Mund- oder Intimbereich einer anderen Person sind ein guter Grund, zunächst auf direkten Kontakt zu verzichten und gegebenenfalls medizinischen Rat einzuholen.

Mundpflege vor und nach Oralsex

Eine gute Mundhygiene ist wichtig für gesunde Zähne und gesundes Zahnfleisch. Doch unmittelbar vor Oralsex besonders gründlich die Zähne zu putzen oder Zahnseide zu verwenden, ist nicht unbedingt sinnvoll. Dabei können kleine Verletzungen oder Blutungen entstehen, insbesondere bei empfindlichem oder entzündetem Zahnfleisch. Die Oral Health Foundation empfiehlt deshalb, auf Zähneputzen und Zahnseide unmittelbar vor und nach dem Oralsex zu verzichten. Ein wissenschaftlich gesicherter zeitlicher Mindestabstand lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. *5

„Beim Oralsex kommt die Mundschleimhaut in direkten Kontakt mit Haut, Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten einer anderen Person. Wenn das Zahnfleisch durch intensives Putzen oder Zahnseide gerade gereizt ist oder blutet, kann die natürliche Schutzbarriere beeinträchtigt sein. Deshalb empfehle ich, die Mundhygiene nicht unmittelbar vor den Oralsex zu legen und dem Zahnfleisch bei Reizungen ausreichend Zeit zur Erholung zu geben“, erklärt Zahnarzt Maximilian Fiesel.

Auch nach dem Oralsex ist keine besondere Reinigungsroutine erforderlich. Wer möchte, kann den Mund sanft mit Wasser ausspülen. Wichtig zu wissen: Weder Zähneputzen noch Mundspülungen können eine möglicherweise bereits erfolgte STI-Übertragung rückgängig machen. Eine gute Mundhygiene trägt zur allgemeinen Mundgesundheit bei, ersetzt jedoch keine geeigneten Schutzmaßnahmen beim Oralsex.

Oralsex bewusster und safer gestalten

Kondome und Dental Dams können das Risiko einer STI-Übertragung beim Oralsex reduzieren. Während Kondome beim Oralsex am Penis zum Einsatz kommen, bieten Dental Dams, auch Lecktücher genannt, eine Schutzbarriere beim oralen Kontakt mit der Vulva oder dem Anus. Die dünnen Tücher werden zwischen Mund und Körper gelegt und verhindern so den direkten Kontakt mit den bedeckten Haut- und Schleimhautbereichen sowie entsprechenden Körperflüssigkeiten. *1

Wichtig ist die richtige Anwendung: Ein Dental Dam sollte bereits vor dem ersten Kontakt aufgelegt, während des Oralsex an Ort und Stelle gehalten und nur einmal verwendet werden. Auch sollte es während der Anwendung nicht umgedreht werden. Kondome müssen ebenfalls für jeden neuen Sexualakt gewechselt werden. Wer zusätzlich Gleitmittel verwendet, sollte darauf achten, dass diese mit dem jeweiligen Material kompatibel sind.

Einen vollständigen Schutz vor allen STIs bieten Kondome und Dental Dams jedoch nicht. Infektionen wie Herpes, HPV oder Syphilis können auch über Haut- und Schleimhautbereiche übertragen werden, die nicht von der Barriere bedeckt sind. Deshalb ist es sinnvoll, verschiedene Präventionsmaßnahmen miteinander zu kombinieren: geeignete Schutzmethoden, empfohlene Impfungen, STI-Tests und die medizinische Abklärung möglicher Beschwerden. Ebenso wichtig ist eine offene Kommunikation über sexuelle Gesundheit, Schutz und persönliche Grenzen. Denn informierte Entscheidungen und gegenseitiges Vertrauen sind eine wichtige Grundlage für einen bewussten und selbstbestimmten Umgang mit Sexualität.

Warum bei STI-Tests auch Oralverkehr zur Sprache gehört

Sexuell übertragbare Infektionen verursachen nicht immer erkennbare Beschwerden. STI-Tests können deshalb ein wichtiger Bestandteil der sexuellen Gesundheitsvorsorge sein. Welche Untersuchungen sinnvoll sind und in welchen Abständen getestet werden sollte, hängt von der individuellen Situation ab, beispielsweise von neuen oder wechselnden Sexualpartnern, den jeweiligen sexuellen Praktiken oder bekannten Infektionen bei Partnerinnen und Partnern. Einen einheitlichen Testplan für alle gibt es daher nicht. Eine ärztliche Beratung oder eine spezialisierte Beratungsstelle kann helfen, die passenden Untersuchungen auszuwählen.

Wichtig ist dabei, auch Oralsex offen anzusprechen. Denn nicht jeder STI-Test erfasst automatisch Infektionen im Mund- und Rachenraum. Um beispielsweise Gonorrhö oder Chlamydien im Rachen nachzuweisen, kann ein gezielter Rachenabstrich erforderlich sein. Ein Urintest oder ein Abstrich im Genitalbereich untersucht diese Körperregion nicht automatisch mit. Auch Blutuntersuchungen können nicht sämtliche STIs nachweisen. Welche Testmethode geeignet ist, hängt deshalb sowohl vom vermuteten Erreger als auch von der betroffenen Körperstelle ab. *2

Neben der richtigen Testmethode spielt auch der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle. Nach einem möglichen Infektionskontakt lassen sich manche Erreger nicht sofort zuverlässig nachweisen. Wann ein Test sinnvoll ist und ob eine spätere Wiederholung notwendig sein könnte, sollte deshalb individuell medizinisch abgeklärt werden. Wird eine STI festgestellt, sind eine geeignete Behandlung und gegebenenfalls die Information betroffener Sexualpartnerinnen und Sexualpartner wichtige nächste Schritte.

Mundgesundheit als Teil sexueller Gesundheit

Sexuelle Gesundheit umfasst weit mehr als den Intimbereich. Auch unsere Mundgesundheit spielt eine Rolle und verdient deshalb Aufmerksamkeit. Wer die Zusammenhänge kennt, mögliche Risiken realistisch einschätzen kann und bewusst mit der eigenen Gesundheit umgeht, schafft eine wichtige Grundlage für informierte Entscheidungen rund um die eigene Sexualität. Die Zusammenarbeit mit Zahnarzt Maximilian Fiesel zeigt, wie wichtig es ist, sexuelle Gesundheit aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und Themen anzusprechen, die im Alltag häufig zu wenig Beachtung finden. Dazu gehört auch, Fragen rund um Oralsex beim Zahnarztbesuch oder in einer ärztlichen Beratung offen stellen zu können, ohne Unsicherheit oder Scham.

Denn Wissen, offene Kommunikation und ein bewusster Umgang mit dem eigenen Körper tragen nicht nur zu unserer Gesundheit bei, sondern ermöglichen auch einen selbstverständlicheren und selbstbestimmten Umgang mit Intimität und Sexualität.

FAQ

Welche STIs können beim Oralsex Mund und Rachen betreffen?

Unter anderem Gonorrhö, Chlamydien, Syphilis, Herpes und HPV. Je nach Erreger unterscheiden sich die Übertragungswege und möglichen Folgen. Bei oral-analem Kontakt können zusätzlich etwa Hepatitis A und Darmerreger übertragen werden.

Kann eine STI im Rachen ohne Symptome verlaufen?

Ja. Insbesondere Gonorrhö und Chlamydien im Rachen können ohne Beschwerden bestehen. Ein unauffälliger Mund oder fehlende Halsschmerzen schließen eine Infektion deshalb nicht aus.

Kann Lippenherpes beim Oralverkehr Genitalherpes verursachen?

Ja. HSV-1 kann vom Mund auf den Genitalbereich übertragen werden. Das ist auch ohne sichtbare Bläschen möglich. Bei ersten Anzeichen eines Ausbruchs und bis zur vollständigen Abheilung sollte auf direkten Kontakt der betroffenen Stelle verzichtet werden.

Sind Aphthen ein Zeichen für eine STI?

Nicht grundsätzlich. Typische Aphthen sind nicht ansteckend und haben häufig andere Ursachen. Ungewöhnliche oder anhaltende wunde Stellen sollten dennoch untersucht werden, besonders wenn sie länger als zwei bis drei Wochen nicht abheilen.

Sollte man sich direkt vor dem Oralsex die Zähne putzen?

Regelmäßige Mundpflege ist sinnvoll, direkt vorher können Putzen und Zahnseide jedoch kleine Verletzungen oder Blutungen verursachen. Sie verhindern keine STI-Übertragung. Bei Bedarf kann der Mund sanft mit Wasser ausgespült werden.

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Über Zahnarzt Maximilian Fiesel

Maximilian Fiesel ist Zahnarzt und Geschäftsführer der Zahnhaus Fiesel MVZ GmbH. Zu seinen Behandlungsschwerpunkten zählen die Betreuung von Angstpatient, Implantologie, Alignerbehandlungen und ästhetische Zahnmedizin.

Gemeinsam mit pjur setzt er sich für eine offene und fundierte Aufklärung an der Schnittstelle zwischen Mundgesundheit und sexueller Gesundheit ein. Dabei bringt er seine zahnmedizinische Expertise ein, um medizinische Zusammenhänge verständlich zu vermitteln, Unsicherheiten abzubauen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Mundgesundheit über die klassische Zahnpflege hinaus zu stärken. Sein Anliegen ist es, Wissen zugänglich zu machen, einen offenen Umgang mit sensiblen Gesundheitsthemen zu fördern und Menschen zu ermutigen, auch vermeintliche Tabuthemen selbstverständlich anzusprechen.

Links

Instagram: @zahndoc.max

Website Praxis Monheim: Zahnhaus Monheim – Ihre Zahnarztpraxis in Monheim

Quellen

*1 CDC: About STI Risk and Oral Sex. Übertragungswege, Risikounterschiede und Prävention. https://www.cdc.gov/sti/about/about-sti-risk-and-oral-sex.html?utm_

 *2 CDC: Sexually Transmitted Infections Treatment Guidelines (2021). Medizinische Angaben zu Gonorrhö, Chlamydien, Syphilis und pharyngealer Diagnostik: https://www.cdc.gov/std/treatment-guidelines/gonorrhea-adults.htm?utm_ | https://www.cdc.gov/std/treatment-guidelines/chlamydia.htm?utm_ | https://www.cdc.gov/std/treatment-guidelines/syphilis.htm?utm_

*3 WHO: Herpes simplex virus. Übertragung und symptomlose Verläufe. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/herpes-simplex-virus

*4 Robert Koch-Institut: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu HPV-Impfung und HPV-Infektion. HPV, mögliche Folgeerkrankungen und Impfempfehlungen. https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/HPV/FAQ-Liste_HPV_Impfen.html?nn=16777040

*5 Oral Health Foundation: Oral sex and oral health – what you need to know. Hinweise zur Mundpflege vor und nach Oral Sex. https://www.dentalhealth.org/blog/oral-sex-and-oral-health?utm_

*6 The Guardian: „Michael Douglas: oral sex caused my cancer“, 2. Juni 2013. https://www.theguardian.com/film/2013/jun/02/michael-douglas-oral-sex-cancer?utm_

Medizinischer Hinweis

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Aufklärung. Sie wurden mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, ersetzen jedoch keine individuelle medizinische Beratung, Untersuchung oder Diagnose. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen oder einem möglichen Infektionsrisiko sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Medizinische Erkenntnisse und Empfehlungen können sich im Laufe der Zeit ändern.

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