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Interview partner Jay Stark

Mehr als Escort. Jay Stark über Nähe, Vertrauen und erste Male

Beim Wort Escort hat man oft ein bestimmtes Bild im Kopf. Für die einen ist es eine Form von Luxus, für andere ein Tabuthema. Kaum ein Bereich der Sexualität ist so stark mit Vorurteilen behaftet wie die Sexarbeit und doch wissen die wenigsten, wie vielfältig sie tatsächlich ist. Und längst gehört sie zur gesellschaftlichen Realität. Laut der Studie „Gesundheit und Sexualität in Deutschland“ (GeSiD) hat rund jeder vierte Mann in Deutschland mindestens einmal für sexuelle Dienstleistungen bezahlt. Besonders häufig trifft dies auf Männer zwischen 46 und 55 Jahren zu.*1 Gleichzeitig waren Ende 2024 mehr als 32.000 Sexarbeitende nach dem Prostituiertenschutzgesetz in Deutschland registriert – Tendenz steigend. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt, da nicht jede Tätigkeit offiziell erfasst wird.*2

Wohl kaum ein Beruf wird so kontrovers diskutiert und doch kommen leider viel zu selten diejenigen zu Wort, die diesen Beruf tatsächlich ausüben.

Für unseren Beitrag haben wir mit Jay Stark gesprochen. Jay ist non-binär und pansexuell und nutzt sie/ihr und they/them Pronomen. Sie arbeitet als queere Escort und beschreibt die eigene Tätigkeit als Supportive Sexwork. Ein Begriff, der neugierig macht und gleichzeitig ziemlich gut zusammenfasst, worum es geht. Menschen auf ihrem Weg sexueller Erfüllung zu begleiten und eine Umgebung zu schaffen, in der Sexualität ohne Druck erlebt werden darf.

Auch die eigene queere Identität beeinflusst dabei, wie Jay Menschen begegnet. Gerade deshalb versucht Jay bewusst, sich von klassischen Rollenbildern und festen Erwartungen zu lösen. Das schaffe Raum für Erfahrungen, die viele sich vorher vielleicht gar nicht zugetraut hätten.

Mehr als eine Begleitung

Der Begriff Escort stammt vom englischen to escort und bedeutet zunächst einmal begleiten. Genau darin liegt auch der Ursprung dieser Form der Sexarbeit. Menschen buchen Escorts für gemeinsame Zeit. Ob bei einem Abendessen, einer Veranstaltung, auf Reisen oder im privaten Rahmen. Sexualität kann Teil dieser Begegnungen sein, muss es aber nicht.

Historisch betrachtet ist diese Form der Begleitung nicht neu. Bereits im antiken Griechenland begleiteten sogenannte Hetären einflussreiche Persönlichkeiten. Sie galten als gebildet, kultiviert und waren für ihre Gesprächskultur ebenso bekannt wie für ihre gesellschaftliche Präsenz. Auch im mittelalterlichen Europa finden sich frühe Parallelen zu dem, was heute als Escort verstanden wird, allerdings in einem anderen gesellschaftlichen Kontext. Im Rahmen der Ritterlichkeit galt die sogenannte Herzensdame als Symbol für Ehre, Inspiration und Glück. Für den Ritter blieb sie meist unerreichbar, diente ihm jedoch als Motivationsquelle und wurde häufig als persönlicher Glücksbringer verehrt. Diese Frauen zeichneten sich oft durch ihre Bildung, ihren gesellschaftlichen Stand und ihre Ausstrahlung aus. Sie überreichten ihren Verehrern beispielsweise Blumen oder unterstützten sie mit Gesang und aufmunternden Worten – etwa vor Ritterturnieren oder anderen Wettkämpfen. Ihre Rolle ging dabei weit über die einer bloßen Begleiterin hinaus: Sie galten als wichtige emotionale und geistige Stütze und prägten das Ideal der höfischen Liebe entscheidend mit.*3

Natürlich lässt sich moderner Escort nicht mit historischen Rollen gleichsetzen. Die Beispiele zeigen jedoch, dass zwischenmenschliche Begleitung schon seit Jahrhunderten Teil verschiedener Kulturen ist und weit mehr umfasst als Sexualität allein. Auch Jay erlebt, dass viele Menschen ihren Service zunächst mit festen Vorstellungen in Anspruch nehmen. Sie erzählt, dass die meisten vor allem die Bilder kennen, die Medien über Escort vermitteln. Escort bedeutet jedoch vor allem, Menschen einen Raum zu bieten, an dem Neugier, Unsicherheit und Offenheit willkommen sind. Der Begriff „Supportive Sexwork beschreibt Jays Arbeit deshalb deutlich besser als Escort allein. Dahinter steckt die Idee, Menschen bei ihren ersten Erfahrungen mit dem Thema zu begleiten und ihnen zu zeigen, dass Sexualität kein Bereich sein muss, der von Scham oder Leistungsdruck geprägt ist.

„Ich musste erst den Mut finden.“

Interessanterweise war der Gedanke, Escort anzubieten, für Jay schon früh präsent. Trotzdem dauerte es viele Jahre, bis sie den ersten Schritt tatsächlich wagte. Bereits im Alter von 18 Jahren entstand das Bedürfnis anderen Menschen helfen zu wollen. Allerdings nicht im klassischen Sinn, sondern auf eine Weise, die zu ihr passt. Erst Ende zwanzig habe sie den Mut gefunden, sich auf einer Plattform für Escorts anzumelden. Nach dem ersten Treffen ist ihr jedoch sofort klar gewesen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte.

Manche möchten ihre ersten sexuellen Erfahrungen sammeln oder haben bisher wenig Erfahrung mit Sexualität. Andere wünschen sich einen geschützten Rahmen, um neue Seiten ihrer Sexualität kennenzulernen, bestimmte Wünsche auszuprobieren oder langjährige Unsicherheiten abzubauen. „Erste Male“ meint in diesem Zusammenhang also nicht nur den ersten sexuellen Kontakt überhaupt. Es kann genauso um die erste Erfahrung mit einer bestimmten Praktik, um das Ausprobieren eines bisher nicht gelebten Wunsches oder darum gehen, sich in einem geschützten Rahmen überhaupt zum ersten Mal mit einem bestimmten Teil der eigenen Sexualität auseinanderzusetzen.

3[1]

Zwischen Klischees und Realität

Wenn über Sexarbeit gesprochen wird, geht es oft um Extreme. Entweder wird sie romantisiert oder verurteilt. Dazwischen bleibt kaum Platz für die, die diesen Beruf ausüben und genau das prägt bis heute viele Vorurteile.

Eines der häufigsten lautet, Sexarbeitende hätten keine andere Wahl oder seien grundsätzlich unglücklich. Tatsächlich lässt sich das so pauschal nicht sagen. Wie in vielen anderen Berufen gibt es sehr unterschiedliche Lebensrealitäten und Beweggründe. Während manche Menschen aus finanziellen Gründen in die Sexarbeit kommen, entscheiden sich andere bewusst dafür.

Das zeigt sich auch in wissenschaftlichen Untersuchungen. Eine Berliner Studie unter Student:innen ergab, dass rund sieben Prozent der befragten Studierenden bereits Erfahrungen in der Sexindustrie gesammelt hatten. Sei es im Escort, vor der Webcam, in der Pornografie oder in anderen Bereichen. Der häufigste Grund war die Aussicht auf ein höheres Einkommen. Daneben wurden aber auch finanzielle Schwierigkeiten, flexible Arbeitszeiten, Neugier oder Selbstbestätigung genannt. Besonders interessant: Beim allgemeinen Glücksempfinden zeigte sich kein Unterschied zwischen Studierenden mit und ohne Erfahrungen in der Sexarbeit. Wer offen mit der eigenen Tätigkeit umgehen und mit anderen darüber sprechen konnte, berichtete zudem seltener von sozialer Isolation.*4

 Auch Jays Arbeit lässt sich vor diesem Hintergrund nicht auf ein einziges Motiv oder eine bestimmte Art von Begegnung reduzieren. Jay erlebt immer wieder, dass Menschen überrascht sind, wenn sie sie kennenlernen. Besonders hartnäckig hält sich ihrer Erfahrung nach das Vorurteil, Sexarbeitende seien ungebildet oder würden ihren Beruf nur aus Mangel an Alternativen ausüben. Dabei hat sie in der Branche Menschen kennengelernt, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Akademiker:innen, Selbstständige, Künstler:innen oder Menschen mit ganz klassischen Ausbildungsberufen.

An dieser Diskussion stört Jay jedoch noch etwas Grundsätzlicheres: Wenn Sexarbeitende immer wieder auf ihre Intelligenz oder Bildung verweisen müssen, um Vorurteile zu entkräften, entsteht der Eindruck, sie müssten sich einen respektvollen Umgang erst durch besondere Leistungen verdienen. Dabei ist die Würde eines Menschen weder von seinem Bildungsstand noch von seinem Beruf abhängig. Jeder Mensch verdient Respekt und das ganz ohne sich dafür rechtfertigen oder etwas beweisen zu müssen.

Ein weiteres Klischee begegnet ihr ebenfalls regelmäßig: Escort sei leicht verdientes Geld. Wer genauer hinsieht, merkt schnell, wie weit diese Vorstellung von der Realität entfernt ist. Escort bedeutet weit mehr als gemeinsame Zeit mit Kund:innen. Hinter jedem Treffen steckt Organisation, Kommunikation und Verantwortung. Termine müssen geplant, Reisen koordiniert und Grenzen klar kommuniziert werden. Gleichzeitig verlangt der Beruf ein hohes Maß an Menschenkenntnis, Empathie und emotionaler Präsenz. Diese Fähigkeiten entstehen nicht über Nacht. Sie wachsen mit jeder Begegnung und jeder Erfahrung. Hinzu kommt etwas, das Außenstehende häufig unterschätzen: „Es steckt enorm viel emotionale Arbeit und Menschenkenntnis darin, die sich über die Jahre immer weiter entwickeln. Zusätzlich organisierst du dich komplett selbst – wie jede andere freiberufliche Person auch. Ich wünsche mir, dass Menschen erkennen, wie viele Fähigkeiten dieser Beruf verlangt. Dann wächst auch der Respekt vor Sexarbeit insgesamt.“

Was Supportive Sexwork für Jay bedeutet

Jay arbeitet als queere Escort und beschreibt ihre Tätigkeit als Supportive Sexwork. Im Mittelpunkt steht für sie nicht eine bestimmte sexuelle Erfahrung, sondern die individuelle Begleitung eines Menschen. Ihre Gäste kommen mit unterschiedlichen Wünschen, Fragen und Voraussetzungen zu ihr. Auch eine neue Praktik oder ein bisher unerfüllter Wunsch kann Anlass für eine Begegnung sein.

Wenn im Zusammenhang mit Jays Arbeit von ‚ersten Malen‘ die Rede ist, kann das deshalb vieles bedeuten: den ersten sexuellen Kontakt überhaupt, die erste Begegnung mit einer Escortperson oder die erste Erfahrung mit einer bestimmten Praktik. Entscheidend ist für sie vielmehr, Menschen bei ihren individuellen Erfahrungen zu begleiten und ihnen dabei einen Rahmen zu bieten, in dem sie sich mit ihrer Sexualität auseinandersetzen können.

Viel häufiger geht es um Unsicherheit als um Sex

Gerade bei Jays Arbeit zeigt sich, dass es bei einer Escort-Begegnung nicht automatisch um möglichst viel oder möglichst außergewöhnlichen Sex geht. Wer noch nie Kontakt zu einer Escort hatte, vermutet oft, dass sich bei den Treffen alles um Sexualität dreht. Doch Jay erlebt ihre Arbeit anders. Sie beschreibt sie als einen Raum, in dem Unsicherheit ausdrücklich willkommen sein darf. Einen Ort, an dem niemand funktionieren muss und an dem Fragen genauso selbstverständlich sind wie Pausen oder ein gemeinsames Gespräch.

Oft, erzählt sie, ist genau das der Moment, der Menschen am meisten überrascht. „Das Wesentliche ist oft gar nicht der Sex. Es ist das Gesehen-Werden. Für eine kurze Zeit man selbst zu sein, ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen, sich zeigen zu dürfen, ohne im Gegenzug funktionieren zu müssen. In dieser Atmosphäre kann auch ein erstes Mal unglaublich wohltuend und entspannt werden.“ Denn in solchen Fällen ist es nicht der Sex selbst der am stärksten in Erinnerung bleibt, sondern das Gefühl, zum ersten Mal seit langer Zeit einfach man selbst sein zu dürfen.

Eine solche Erfahrung kann über die eigentliche Begegnung hinauswirken und den Blick auf die eigene Sexualität, den eigenen Körper oder sogar auf sich selbst verändern. Manche verändern vielmehr den Blick auf sich selbst. Wer erlebt, angenommen zu werden, ohne etwas leisten zu müssen, nimmt dieses Gefühl oft weit über das eigentliche Treffen hinaus mit.

Warum erste Male selten perfekt sind und genau das völlig in Ordnung ist

Mit der Unsicherheit vor einer neuen Erfahrung sind Jays Kund:innen nicht allein. Viele Menschen kennen den Druck, beim ersten Kuss, beim ersten Sex oder beim Ausprobieren einer neuen Praktik alles richtig machen zu wollen.

Man möchte alles richtig machen und möglichst entspannt wirken. Genau dieser Anspruch setzt viele Menschen unter Druck. Auch Jay erlebt das regelmäßig. Viele Menschen, die sie begleiten darf, haben das Gefühl, sie müssten funktionieren. Manche schämen sich, weil sie in ihrem Alter noch wenig oder gar keine sexuelle Erfahrung gesammelt haben, andere haben Sorge, den Erwartungen ihres Gegenübers nicht gerecht zu werden. Dabei beginnt für Jay eine gute Erfahrung lange bevor die Kleidung abgelegt wird. „Neues ist immer eine Herausforderung – und ein bisschen Nervosität tut sogar gut. Was eine wirklich positive Erfahrung ausmacht, ist ein sicheres Umfeld, in dem ich mich traue, etwas zu tun, das ich vorher nie gemacht habe. Ich brauche Vertrauen in mein Gegenüber, und ein Gefühl von Sicherheit.“

Gerade deshalb, erzählt Jay, sei die Realität häufig eine andere als das Kopfkino. „Nicht alles, was in der Fantasie reizvoll erscheint, wirkt in echt genauso auf die eigene Lust. Dazu kommt: Die ungewohnte Situation, Neugier und Nervosität führen oft dazu, dass der Körper anders reagiert als aus den einsamen Stunden gewohnt. Ich hatte erste Male, die bilderbuchmäßig liefen. Aber weit häufiger Begegnungen, in denen die neuen Eindrücke dazu führten, dass etwa eine Erektion nicht so präsent war wie erhofft, oder ein Orgasmus sich nicht so leicht einstellte wie zuhause allein. Das ist völlig normal und absolut nichts, wofür man sich schämen müsste.“

Viel wichtiger als ein bestimmtes Ergebnis sei deshalb die Offenheit, etwas Neues überhaupt erleben zu wollen.

Pexels cottonbro 6475593

Neugierig statt perfekt sein

Auf die Frage, welchen Rat sie Menschen geben würde, die neugierig auf Sexualität sind, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen, hat Jay auch sofort eine Antwort. Ihr wichtigster Tipp lautet: Informieren. Podcasts, Bücher oder Videos können dabei helfen, das eigene Lustempfinden besser kennenzulernen und Berührungsängste abzubauen. Gleichzeitig empfiehlt sie, sich Zeit zu nehmen und nicht alles sofort erleben zu müssen.

Eine Möglichkeit, zunächst unverbindlich miteinander ins Gespräch zu kommen, sind Jays Plauderdates. Hierbei geht es zunächst gar nicht um Sexualität, sondern ums Kennenlernen. Fragen dürfen gestellt werden, Unsicherheiten bekommen Raum und beide Seiten können herausfinden, ob sie sich miteinander wohlfühlen. Gleichzeitig macht Jay darauf aufmerksam, dass gute Vorbereitung ebenfalls Teil professioneller Begleitung ist. Eine ausführliche Beratung, die Auseinandersetzung mit persönlichen Fragen und eine sorgfältige Vorbereitung kosten Zeit. Wie in anderen selbstständigen Berufen sind sie daher ein Teil der Dienstleistung

Selbstfürsorge zeigt sich auch in den kleinen Dingen

Zu einer positiven sexuellen Erfahrung gehört für Jay nicht nur emotionale, sondern auch körperliche Sicherheit. Manchmal geht es dabei um erste Erfahrungen, manchmal um Wünsche, die lange keinen Platz hatten. Auch Praktiken, über die man sonst vielleicht nicht so offen spricht, können dabei Thema sein. Analsex ist eine davon. Die Neugier darauf ist groß, gleichzeitig gibt es viele Unsicherheiten und Berührungsängste. Jay möchte Menschen die Möglichkeit geben, sich ohne Druck und im eigenen Tempo an solche Erfahrungen heranzutasten.

Gerade Gleitgel werde ihrer Meinung nach häufig unterschätzt. Es könne den Komfort erhöhen, das Körpergefühl verbessern und dazu beitragen, dass sich beide Personen entspannter aufeinander konzentrieren können. Besonders im analen Bereich setzt sie deshalb auf Qualität. Ihren persönlichen Favoriten habe sie übrigens nicht selbst entdeckt, erzählt sie schmunzelnd, sondern durch einen Gast kennengelernt: pjur BACK DOOR. Seitdem gehöre das Produkt für sie ganz selbstverständlich dazu, denn „Meine Lust, mein Komfort und meine Sicherheit sind es wert.“

Auf die Frage, was für sie eine moderne, sexpositive Kultur bedeutet, muss Jay nicht lange überlegen. Für sie beginnt sie dort, wo Sexualität als selbstverständlicher Teil des Lebens verstanden wird. Ohne Scham, aber gleichzeitig mit Respekt. Sexualität dürfe alltäglich sein und trotzdem etwas Besonderes bleiben.

Fazit

Escort ist weit mehr als das Bild, das häufig in Filmen oder Schlagzeilen vermittelt wird.

Es geht um Begegnungen, Vertrauen, Kommunikation und darum, Menschen bei ihren ersten Schritten oder neuen Erfahrungen zu begleiten. Das Gespräch mit Jay zeigt, wie viel Empathie, Professionalität und Menschenkenntnis hinter ihrer Arbeit steckt. Gleichzeitig macht es deutlich, dass viele Vorurteile weniger mit der Realität als mit gesellschaftlichen Bildern zu tun haben. Vielleicht ist genau deshalb Offenheit der wichtigste Schritt. Denn nur wenn wir anfangen, über Sexualität ohne Scham und Vorurteile zu sprechen, entsteht Raum für Verständnis und positive Erfahrungen.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Escort und Prostitution?

Prostitution ist ein juristischer Oberbegriff für entgeltliche sexuelle Dienstleistungen. Dazu können auch Escort-Dienstleistungen gehören, sofern sie sexuelle Handlungen umfassen. Escort beschreibt in erster Linie eine zeitlich gebuchte Begleitung. Je nach Vereinbarung kann Intimität und Sex Teil eines Treffens sein, muss es aber nicht. Viele Escort-Dates bestehen aus Gesprächen, gemeinsamen Unternehmungen oder der Begleitung zu Veranstaltungen.

Warum nehmen Menschen Escort in Anspruch?

Die Gründe sind sehr unterschiedlich. Manche wünschen sich Nähe oder Gesellschaft, andere möchten neue Erfahrungen sammeln oder ihre Sexualität in einem sicheren Rahmen entdecken. Auch Menschen mit wenig sexueller Erfahrung oder Unsicherheiten suchen gezielt Unterstützung.

Arbeiten Escorts freiwillig?

Wie in vielen anderen Berufen gibt es unterschiedliche Lebensrealitäten. Viele Escorts entscheiden sich jedoch bewusst für ihre Tätigkeit und erleben sie als selbstbestimmte Form der Arbeit.

Ist Escort in Deutschland legal?

Ja. Sexarbeit ist in Deutschland grundsätzlich legal und wird durch das Prostituiertenschutzgesetz geregelt. Dazu gehören unter anderem Anmeldepflichten und regelmäßige Gesundheitsberatungen.

Welche Rolle spielt Kommunikation bei einem Escort-Date?

Eine sehr große. Bereits vor einem Treffen werden Wünsche und Grenzen kommuniziert. Offenheit und gegenseitiger Respekt bilden die Grundlage jeder Begegnung.

Warum ist ein hochwertiges Gleitgel sinnvoll?

Ein gutes Gleitgel kann Sicherheit und Wohlbefinden erhöhen. Gerade bei analen Praktiken oder längeren Begegnungen trägt es dazu bei, Reibung zu reduzieren und das Erlebnis angenehmer zu gestalten.

Kann Escort Menschen bei ihrer sexuellen Entwicklung helfen?

Viele Escorts begleiten Menschen bei ersten Erfahrungen oder neuen Wünschen. Das kann helfen, Unsicherheiten abzubauen und selbstbewusster mit der eigenen Sexualität umzugehen.

Kann ein Escort-Date auch ohne Sex stattfinden?

Ja. Viele Begegnungen bestehen aus Gesprächen, gemeinsamen Unternehmungen oder einfach aus Zeit miteinander. Ob Sexualität Teil eines Treffens ist, wird individuell vereinbart. Bei Jays Plauderdates zum Beispiel geht es nur um Unterhaltung. Es gibt keinerlei erotische Interaktion.

Was bedeutet Supportive Sexwork?

Supportive Sexwork beschreibt einen Ansatz, bei dem nicht allein Sexualität im Mittelpunkt steht. Ziel ist es, Menschen zu begleiten und einen geschützten Raum für neue Erfahrungen und persönliche Entwicklung zu schaffen.

Wie viel verdient ein:e Sexarbeiter:in?

Als angemeldete Sexarbeiterin zahlt man wie alle anderen selbstständigen Steuern.  Das bedeutet, dass das ausgewiesene Honorar der jeweiligen Begleitung nicht der Betrag ist, der am Ende auch auf dem Konto ankommt. Mehr Infos findet ihr in Jays Blogbeitrag zum Thema Sexarbeit und Steuern. 

4[1]

Über Jay

Jay Stark (sie/ihr und they/them) ist queere Escort und Supportive Sexworker aus dem Raum Frankfurt und Aschaffenburg. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit: Menschen bei ersten Schritten und neuen Erfahrungen begleiten – und Unsicherheit, Neugier und Verletzlichkeit ausdrücklich mit einzuladen. Bei Jay darf jeder Mensch sein, wie er ist, und sich genau so angenommen fühlen.

Zudem bildet sich Jay im Bereich Sexualtherapie weiter und teilt ihre Gedanken auf YouTube und jay-stark.com. Ihr Anliegen: Sexualität dorthin holen, wo sie hingehört – mitten ins Leben. In eine Welt, in der Scham der Neugier weicht und Sexualität ein Teil davon sein darf, ganz Mensch zu sein.

Website: https://jay-stark.com/

Instagram: https://www.instagram.com/jaystark_pleasure

Bluesky: https://bsky.app/profile/jaystark.bsky.social

Blog: https://jay-stark.com/blog/

Youtube:  https://www.youtube.com/@jaystark_x

Telegram: https://t.me/jaystarknews

Quellen

*1 Gesundheit und Sexualität in Deutschland https://gesid.eu/

*2 Prostituiertenschutz – Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Prostituiertenschutz/_inhalt.html?utm_

*3  World History Encyclopedia: Hetaira *4 Felicitas Ernst, Nina Romanczuk-Seiferth, Stephan Köhler, Till Amelung & Felix Betzler (2021): “Students in the Sex Industry: Motivations, Feelings, Risks, and Judgments.” Frontiers in Psychology, 12, 586235. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2021.586235

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